Herz, Blut, Kreislauf, Lymphsystem der Katze

Posted by on Oktober 5, 2010

Kreislaufsystem

Das Kreislaufsystem umfasst die Gesamtheit von hohlen, in einem geschlossenen Kreislauf angeordneten Kanälen, in denen Blut und Lymphe fließen.
Man unterscheidet
– das Herz, zentrales Antriebsorgan, das durch seine rhythmischen Kontraktionen die Bewegung des Blutes im kleinen Kreislauf (rechte Herzkammer-linker Vorhof) und im großen Kreislauf (linke Herkammer-rechter Vorhof) gewährleistet. Das in den Lungen angereicherte mit Sauerstoff angereicherte Blut wird in die Aorta getrieben, die längste und voluminöseste der Arterien, um den gesamten Körper zu durchbluten. Das in Höhe der 4. bis 7. Rippe im Brustkorb gelegene Herz ist kugelförmig. Es liegt schräg von vorne nach hinten, als ob es auf dem Brustbein liegt. Sein Gewicht schwankt zwischen 15 und 20 g bei der Katze ( 0,4 bis 0,8 % des Lebendgewichtes).
– das Gefäßsystem, dass die Arterien, die das Blut der Herzkammern in alle Teile des Organismus leiten und die sich in kleinere Arteriolen untergliedern.
Kapillaren, sehr feine Blutgefäße, die die letzten Arteriolenverzweigungen mit den ersten Venenverzweigungen verbinden. Sie sichern den Gas-, Nährstoff-, Stoffwechsel- und Wärmeaustausch umfasst.
– die Venen, die das Blut von den Kapillaren zum rechten Vorhof des Herzens bringen. Deshalb versorgt die abwärts gelegene Hohlvene das Blut der hinteren Gliedmaßen, des Nierenbeckens und des Bauches; die Pfortader liefert der Leber Blut aus den Verdauungsorganen und der Milz.

Das Herz

Das Herz ist die Pumpe des Körpers, die für den Bluttransport sorgt. Über die Venen gelangt das sauerstoffarme, verbrauchte Blut zur rechten Herzhälfte und wird von hier zur Lunge gepumpt. Die Lunge versorgt das Blut mit Sauerstoff, der für alle Vorgänge im Körper von Bedeutung ist. Von der Lunge gelangt das Blut zurück ins Herz, in dessen linke Hälfte und wird jetzt durch das Herz in die Hauptschlagader gepumpt, von wo aus es sich über die Arterien und Kapillaren im Körper verteilt und über die Venen zur rechten Herzhälfte zurückfließt. Katzen können nur kurzen und schnell jagen und müssen immer wieder ausgiebige Ruhefasen einlegen, da sie ein nur kleines Herz besitzen. Im Ruhezustand schlägt das Herz der Katze mit einer durchschnittlichen Frequenz von 120 bis 150 Schlägen pro Minute. Unser Herz bringt es nur auf ca. 65 Herzschläge.

Da der Körperbau extreme Bewegungen zulässt, ist das Herz mit einem Herzsack in der Brusthöhle fixiert und wird so gleichzeitig vor Verletzungen geschützt. Es transportiert dabei, wie in jedem Blutkreislauf, das Blut von den Venen über den rechten Vorhof zur Herzkammer zu der Lunge und das dort mit Sauerstoff angereicherte Blut wandert durch den linken Vorhof zur Herzkammer. Jetzt zirkuliert es durch den ganzen Körper. Eine Katze hat allerdings im Verhältnis zum Körpergewicht wenig Blut (0,4ml pro Kg). Daher ist eine Verletzung mit Blutverlust lebensbedrohlich.
Die normale Temperatur unserer Katze liegt bei 37,8 – 39°C. Eine Untertemperatur, insbesondere bei Katzenwelpen, die ihre Temperatur noch nicht regeln können, ist äußerst gefährlich.
Herzerkrankungen sind heutzutage relativ selten. Aber bestimmte Rassen neigen zu Herzmuskelerschlaffung, früher ein Zeichen von Mangel an Taurin, oder eine Verdickung des Muskels der linken Herzkammer. Eine, insbesondere bei älteren Katzen vorkommende Nierenerkrankung, kann das Herz auch schädigen.
Das Herz der Katze verfügt über einen regelrechten Automatismus, das sind spezielle Zellen, der den regelmäßigen Herzschlag gewährleistet. Die Kontraktionsphase wird Systole genannt, die Füllung erfolgt während der Entspannung oder der Diastole. Pro Minute wird hier ein halber Liter Blut gepumpt. Bei Anstrengung erhöhen sich Frequenz und Pumpleistung, wodurch die Muskeln eine größere Menge Blut, also mehr Sauerstoff und Energie pro Zeiteinheit erhalten. Damit in Zusammenhang steht das vegetative Nervensystem. In der Ruhephase bewirkt das parasympathische System, dass das Herz langsamer schlägt. Bei Anstrengung, „Angstzuständen“ oder Erregung ist das sympathische System für die Herzstimulierung verantwortlich.

Das Herz
1. rechte Herzkammer
3. rechter Vorhof
4. Craniale Hohlvene
5. Truncus brachiocephalicus
6. Arteria subclavia sinister
7. Aorta
9. vv. pulmonales (Lungenvenen)
10. Kaudale Hohlvene (V. cava caudalis)
11. linker Vorhof
12. linke Herzkammer
15. linke Lungenarterie (A. pulmonales sinister)

Das Lymphsystem:

Neben dem Blutgefäßsystem durchzieht das Lymphgefäßsystem als weitverzweigtes Netz den Körper. Das Lymphsystem ist ein Abwehrsystem des Körpers gegen schädliche Einflüsse, zu dem ebenfalls zentrale Lymphorgane wie Thymus und Knochenmark gehören. Der Thymus ist ein „Übergangsorgan“, das sich beim Erwachsenen zurückbildet. Die Milz und die Mandeln sind Teil der peripheren Lymphorgane.

Das Lymphknotensystem hat unterschiedliche Aufgaben und bildet ein weit verzweigtes Netz im Körper. Es besteht aus den Kapillaren, den Gefäßen und den Knoten und arbeitet eng mit dem Blutkreislauf zusammen. In den Lymphkapillaren, die die Wurzel bilden wird eine gelbliche Flüssigkeit gebildet, die Lymphe genannt wird. Die Lymphgefäße übernehmen die Lymphe und leiten sie an den Lymphknoten weiter. Man unterteilt sie in tastbar und nichttastbar und nennt diese Knoten Ohrspeicheldrüsenlymphknoten, Kehlgangslymphknoten, oberflächliche Halslymphknoten, Achselhöhlenlymphknoten, oberflächliche Leistenlymphknoten und Kniekehllymphknoten. Hier werden die Lymphozyten (T-Lymphozyten), die ein Bestandteil der weißen Blutkörperchen sind, gebildet und da sie ständig im Körper zirkulieren, üben sie die wichtige Filterfunktion für den Abwehrmechanismus gegenüber Viren und Bakterien aus. Befinden sich jetzt krankmachende Keime in dieser Lymphe, so können diese in den Lymphknoten ausgefiltert werden und führen hier zu Reaktionen, die als Umfangsvermehrungen der Lymphknoten sichtbar werden.
Je nach Krankheit sind die Werte der Lymphozyten höher oder niedriger. Die Knoten sind oft, bedingt durch eine höhere Blutzufuhr, insbesondere bei einer Infektionskrankheit, fühlbar geschwollen. Das Lymphknotensystem ist nicht nur für das Immunsystem verantwortlich, sondern es führt Schadstoffe aus den Organen, überschüssige Zellflüssigkeit aus dem Körpergewebe und Stoffwechselprodukte ab, aber gleichzeitig Nährstoffe (z. B. Nahrungsfette aus dem Darm) den Zellen zu.

Lymphknoten des Kopfes

1. lateral, retropharyngeale Lymphknoten
2. mediale, retropharyngealer Lymphknoten
3. mandibuläre Lymphknoten
4. Parotsdlymphknoten (unbeständig)

Lymphknoten des Körpers
1. axillare Nebenlymphknoten
2. axillare Lymphknoten
3. zervikaler superfizieller Ventrallymphknoten
4. zervikaler superfizieller Dorsallymphknoten
5. medialer Retropharyngeallymphknoten
6. mandibuläre Lymphknoten
7. Parotislymphknoten
8. laterale Retropharyngeallymphknoten
9. kraniale Mediastinallymphknoten
10. kraniale Mesenteriallymphknoten
11. superfizielle Popliteallymphknoten
12. superfizielle Inguinallymphknoten

Unsere Tiere besitzen Milliarden von Zellen. Da die meisten von ihnen nicht mit dem äußeren Milieu in Verbindung stehen, können sie sich nicht direkt mit den nötigen Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Für ihre Versorgung ist der Kreislauf notwendig, der die Rolle eines internen Konvektors spielt und die interstitielle. Flüssigkeit erneuert. Wir haben es hier mit der Vitalfunktion schlechthin zu tun, jegliche Unterbrechung des Kreislaufes führt in nur wenigen Sekunden zu nervösen Störungen und innerhalb weniger Minuten zu irreversiblen Schäden.

Venensystem der Katze
Darm
Milz
Magen
Portalvene
Leber
Vena azygos
Kraniale Hohlvene (V. cava cranialis)
Vena Subclavia
Jugularvene (Drosselvene)
Vena brachycephalica
kaudale Hohlvene
Vena hepatica
Vena phrenica
rechte Nierenvene (V. renalis dex)
linke Nierenvene (V. renalis sinister)
Niere
linke Hoden- oder Eierstockvene (V. testuicularis und V. ovarica)
Vena circumflexa ilium profunda
Vena iliaca communis
rechte Hoden- oder Eierstockvene


Arteriensystem der Katzeaszendierende Aorta (Aorta ascendens)

1. Truncus brachyocephalicus
2. Subclavia dex.
3. Arteria carotis communis
4. Subclavia sinister
5. Aorta thorarica
6. Zwerchfell
7. Aorta abdominalis
8. Arteria coeliaca
9. Arteria mesenteria cranialis
10. Arteria phrenica
11. Arteria renalis
12. Niere
14. Arteria testicularis und A. ovarica
15. Arteria circumflexa ilium profunda
16. Arteria iliaca externis
17. Arteria iliaca internis
18. Arteria sacralis mediana
19. Leber
20. Arteria hepatica (Leberarterie)
21. Milz
22. Arteria splenica
23. Arteria gastrica
24. Magen

Der Blutkreislauf

Das Blut kreist beständig und immer in den gleichen Bahnen. Das durch die Lungen sauerstoffangereicherte Blut gelangt über die Lungenvenen ins Herz. Es wird durch die linke Herzhälfte über die Aorta und die verschiedenen die Organe durchblutenden Arterien an alle Zellen des Organismus gepumpt. Über die Venen, die in die beiden großen Hohlvenen münden, gelangt das Blut in die rechte Vorkammer und wird von dort über die Lungenarterie in die Lunge gepumpt. Das Blut wird durch die Kontraktionen der Herzkammern und der Herzklappen in Umlauf gebracht (Trikuspidal- und Mitralklappe). Die rechte Herzhälfte erhält das venöse Blut der Peripherie und sendet es nach Kontraktion der rechten Herzkammer an die Lunge weiter. In der Lunge entledigt sich das Blut seines Kohlendioxids (CO2) und nimmt Sauerstoff auf (O2). Die linke Herzhälfte bekommt von der Lunge das sauerstoffangereicherte Blut in ihre Herzkammer und gibt es mittels der Aorta nach Kontraktion der Herzkammer an den Organismus weiter.

Das Blut

Das Blut ist eine viskose, heterogene Substanz, die aus Flüssigkeit, roten Blutkörperchen, den weißen Blutkörperchen und den Blutplättchen besteht. Es hat eine Transport- und eine Abwehrfunktion. Es ermöglicht den Transport:

der Atemgase: Sauerstoff und Kohlendioxid,
des „energetischen Zellkraftstoffes“,
der von den Zellen produzierten Abfallstoffe
der Substanzen, die die Zellaktivität kontrollieren, wie z.B. die Hormone,
von Wärme, zwischen den Produktionszonen und den Eliminierungsbereichen.
Es spielt auch eine wichtige Abwehrrolle im Organismus. Dank der Hämostase und der Koagulation werden Blutungen im Fall von Verletzungen der Blutgefäßwand gestoppt. Einige Zellen, die Makrophagen, sind für die Reinigung jeglicher Überreste interner oder externer „Fremdkörper“ zuständig. Die Immunfunktion kann jegliches „gespeichertes“ und erkanntes Fremdelement ausmachen und sich seiner wirksam entledigen.

Die roten BlutkörperchenDie diskusförmigen roten Blutkörperchen enthalten Hämoglobin, den eisenhaltigen und Sauerstoff bindenden Blutfarbstoff. Ihre Wand ist sehr elastisch und sie können sich leicht auch durch die engsten Kapillargefäße winden. Sie haben eine ungefähre Lebensdauer von zwei Monaten. Nach der Zerstörung durch eigens dafür vorgesehene Zellen wird das Hämoglobin in ein Pigment umgewandelt, das Bilirubin, das selbst umgeformt und durch die Galle und den Urin ausgeschieden wird, denen es die gelbe oder grüne Farbe verleiht.

Die weißen BlutkörperchenDie weißen Blutkörperchen oder Leukozyten sind sowohl für die Reinigung als auch für den Kampf gegen „Eindringlinge“ zuständig. Sie setzten sich aus verschiedenen spezialisierten Zelltypen zusammen, die ständig zusammenarbeiten und mithilfe chemischer Substanzen, der Zytokine, ihre Informationen untereinander austauschen. Sie sind in der Lage, sämtliche Fremdkörper und Ablagerungen zu erkennen und zu zerstören. Sie besitzen eine sehr große Lernfähigkeit, die Immunfunktion, mit der sie ein bereits getroffenes Element (Antigen) rasch wiedererkennen und dank der spezifischen Antikörper angreifen können. Dieses „Gedächtnis“ kann durch Impfung gefördert und erhöht werden.

Die Blutplättchen = ThrombozytenDas sind kleine Zellen, die dann aktiv werden, wenn sie zum Beispiel an einem kleinen Gefäßriss mit Bindegewebe in Kontakt kommen. Sie lagern sich an diesen Bereich an und bilden so eine Art Pfropfen. Gleichzeitig zieht sich das Gefäß an dieser Stelle zusammen, und das Blut hört rasch auf zu tropfen. Dieses Phänomen wird Hämostase genannt.

Die Gefäße

Das Blut verlässt die Arterien unter erhöhtem Druck. Der Blutdruck kann mit einem Blutdruckmessgerät mit Doppler-Effekt gemessen werden. Er schwankt zwischen 130mm Quecksilber (mmHG) in der Systole und 90 mmHG. Der Blutdruck der Katze, so lässt sich erkennen, ist nicht so weit von dem des Menschen entfernt. Da die Arterienwand halbelastisch ist, leistet sie dem Blutfluss, der Druck in Richtung Kapillargefäße leitet, Widerstand. Die sehr elastischen Venen bieten der Dehnung nur geringen Widerstand; hier herrscht nur ein sehr niedriger Druck. Die sehr feinen Kapillargefäße bilden gewissermaßen die Grundlage für das Kreislaufsystem: Hier erfolgt der Austausch, der die Erneuerung interstitieller Flüssigkeit ermöglicht. Am „Eingang“ der Kapillargefäße wird das Wasser aus dem Blut gefiltert, das die Zellen u.a. mit Sauerstoff, energetischen Substraten und Hormonen versorgt. Am „Ausgang“ kehrt das Wasser, mit Kohlendioxid und den Abfallstoffen beladen in die Gefäße zurück. Zusätzlich erfolgt eine Drainage durch die Lymphgefäße. Eine andere wichtige Aufgabe der Lymphflüssigkeit besteht im Transport von bestimmten größeren Elementen Zellen oder Molekülen, die nicht durch die Gefäßwand dringen können. Die Blutmenge, die ein Organ durchblutet, kann sehr unterschiedlich sein. Einige Organe weisen aktiv kontraktierende Arterien vor (Gefäßkontraktion), und funktionieren wie eine Art Ventil, das die die Organe erreichende Blutmenge reguliert. Das Ganze wird über das Gehirn und das Rückenmark gesteuert. Verantwortlich hierfür ist das orthosympathische Nervensystem, das Konflikte regelt und Prioritäten lenkt, wenn mehrere Organe gleichzeitig eine Erhöhung der Blutmenge fordern, oder wenn die Funktionstüchtigkeit des Kreislaufes aus anderen Gründen gefährdet ist. Auch zahlreiche Hormone können hier lokal eingreifen, um die Gefäßaktivität zu modifizieren, wie zum Beispiel während der Verdauung, wo die vom Darm produzierten Hormone die Durchblutung dieses Organs und die Dränage der absorbierten Elemente regeln. Steigt der Sauerstoffbedarf abrupt an, oder nach einer starken Blutung, so sind bestimmte Organe, insbesondere die Milz, in der Lage, rasch eine größere Anzahl von roten und völlig neuen roten Blutkörperchen in Umlauf zu bringen. Hier werden übrigens auch die alternden roten Blutkörperchen abgefangen und zerstört.

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