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Woher stammen die Hauskatzen?

Posted by on September 21, 2010  |  No Comments

Ihre wahre Heimat war der Nahe Osten: Die alten Ägypter verehrten die Katzengöttin Bastet. Sie züchteten in großer Zahl Katzen, von denen sie viele opferten, mumifizierten und in Bubastis, der heiligen Stadt der Gottheit, bestatteten.

Quelle: Spektrum der Wissenschaft April 2010

Schon vor über 3000 Jahren verewigten sie die beliebten Haustiere vielfach in Bildern und Skulpturen. Deswegen hielten die Forscher bisher Ägypten für das Stammland der Hauskatze.

Doch in Wahrheit geschah deren Domestikation Jahrtausende früher – und keineswegs am Nil. Forscher um den englischen Genetiker Carlos A. Driscoll von der Universität Oxford haben die Abstammung der Hauskatze enträtselt.

Darüber berichten sie in der April-Ausgabe von „Spektrum der Wissenschaft“. Vergleichende Genanalysen erweisen, dass alle heutigen Hauskatzen auf dieselbe Stammpopulation zurückgehen.

Sie entwickelten sich im Nahen Osten aus einer Population der Falbkatze Felis silvestris lybica, einer Unterart der so genannten Wildkatze Felis silvestris. Sogar exotische Katzenrassen wie die Siamkatze oder die thailändische Korat hatten die gleichen nahöstlichen Vorfahren. Zwar leben auch in Afrika, in Europa, in Zentralasien Wildkatzen. Doch diese Populationen sind mit Hauskatzen nicht verwandt.

Schon vor rund 10.000 Jahren scheinen sich Katzen dem Menschen angeschlossen zu haben. Auf Zypern gibt es aus dieser Zeit ein Katzengrab zusammen mit einer Menschenbestattung. Da auf der Insel sonst keine Wildkatzen lebten, müssen Menschen das Tier im Boot von der nahen Festlandküste im Osten mitgebracht haben.

Wahrscheinlich begann die Geschichte der Hauskatze, als Menschen in jener Zeit zu Bauern wurden: als sie in Gebieten wie Palästina – in der Region des so genannten "fruchtbaren Halbmonds" – Landwirtschaft betrieben und sesshaft wurden.

Sie bauten nun Getreide an, legten sich Vorratsspeicher zu und sorgten im Umfeld ihrer festen Siedlungen auch für ergiebige Abfälle. Dass sich Mäuse über die Kornlager hermachten, dafür gibt es genügend Indizien. Manche Wildkatzen, die diesen großen Mäusebeständen auflauerten, scheinen sich bald an die Menschennähe gewöhnt zu haben.

Doch ihre Wildheit und ihr unabhängiges Wesen hat die Hauskatze bis heute nicht völlig verloren, meinen Driscoll und seine Kollegen. Katzen wurden nie Arbeitstiere, und sie lassen sich nicht für bestimmte Leistungen abrichten.

Auch sonst bringen sie dem Menschen keinen besonderen materiellen Nutzen wie andere Haustiere, die Nahrung oder Kleidung liefern. Dennoch – Katzen sind mit Abstand die beliebtesten Haustiere. Über 8 Millionen Stubentiger leben in deutschen Haushalten, mit steigender Tendenz.

Quelle: Spektrum der Wissenschaft, April 2010

Leseempfehlung

Von Katzen und Menschen: Sozialgeschichte auf leisen Sohlen (Broschiert) von Clemens Wischermann (Hg)

Katzen wurden vergöttlicht und dämonisiert, geliebt und gehasst, gejagt und getötet und in manchen Epochen und Kulturen sogar gegessen. Gleichzeitig wurden in unserer Geschichte immer wieder Menschen, die in enger Verbindung mit Katzen lebten, als besondere Wesen betrachtet. Heute, im 21. Jahrhundert, sind sie unser liebstes Haustier, nehmen oft die Rolle eines Familienmitglieds ein, werden gar therapeutisch vereinnahmt oder dienen als Werbeträger. Katzen sind in besonderer Weise dafür geeignet, den kulturellen Weg und die kulturelle Vielfalt in der Art der Beziehung zwischen Tieren und Menschen zu beschreiben. Katzen werden heute zu dem ›natürlichen‹ Modell einer unabhängigen, in sich ruhenden Individualität erklärt, und ihnen werden vielfältige heilende Wirkungen für die Probleme des modernen Menschen zugeschrieben.
In der Folge bleibt dem tierischen Familienmitglied Katze von der medizinischen Betreuung über die gesunde Ernährung bis hin zu den Formen und Praktiken gesellschaftlich legitimer Trauerarbeit kein menschlicher Bereich mehr verschlossen. Die Nachzeichnung des Ortes der Katze in der Sozialgeschichte von frühen Zeiten bis in unsere Gegenwart, ihre Rolle in Literatur, Kunst und Werbung bildet den roten Faden dieses Buches.
Über den Author: Clemens Wischermann ist Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Konstanz.

The Tiger in the House: A Cultural History of the Cat (New York Review Books Classics) (Gebundene Ausgabe) von Carl Van Vechten (Autor), Stephen Budiansky

A god, a companion to sorceresses at the Witches‘ Sabbath, a beast who is royal in Siam, who in Japan is called ‚the tiger that eats from the hand,‘ the adored of Mohammed, Laura’s rival with Petrarch, the friend of Richelieu, the favorite of poets“�such are just a few of the feline distinctions that Carl Van Vechten records in this glorious historical overview of humanity’s long love affair with the cat. As delightful as it is learned, Tiger in the House explores science, art, and history to assemble a treasury of cat lore, while Van Vechten’s sumptuous baroque prose makes the book’s every page an inexhaustible pleasure.

Katze und Mensch. Die Geschichte einer Beziehung (Gebundene Ausgabe)
von Erhard Oeser (Autor)

Wie wurde die Katze domestiziert? Wie entwickelte sich die Beziehung Katze-Mensch im Laufe der Zeit – vom Altertum bis heute – und in verschiedenen Kulturen? Die Katze wurde als Gott verehrt (von den Alten Ägyptern), gehegt und gepflegt (z.B. bei den Römern oder den Chinesen), aber auch geschunden und verbrannt (im Christentum). Heute ist sie bei uns zum beliebtesten Haustier geworden. Neben den historischen Gegebenheiten schildert Erhard Oeser sehr anschaulich bemerkenswerte Verhaltensweisen der Katze. Kein anderes Tier hat eine so enge Beziehung zum Menschen entwickelt und sich gleichzeitig so viel Unabhängigkeit bewahrt wie die Katze. Da sie einfacher als ein Hund zu halten ist, hat sie diesen in der Gunst der Menschen bereits überflügelt und ist zum beliebtesten Haustier geworden.

Zum Verständnis der Katze gehört aber nicht nur die Kenntnis, wie man sie füttert und pflegt oder für Ausstellungen herausputzt, sondern auch das Wissen um die Geschichte ihrer wechselvollen Beziehung zum Menschen, die in diesem Buch dargestellt und mit den Ergebnissen der modernen Verhaltensforschung verbunden wird.

Im Alten Ägypten war die Katze nicht nur ein brauchbarer Mäusefänger sondern wurde vielmehr als Gottheit verehrt. Auch die Griechen und Römer anerkannten schon ihre Nützlichkeit. Im Nahen und im Fernen Osten, in der islamischen Welt und in China, waren Katzen äußerst beliebt. Im christlichen Abendland dagegen wurden sie als Begleiterin von Hexen und Gefährtin des Teufels verleumdet und Jahrhunderte lang geschunden, gekreuzigt, bei lebendigem Leib verbrannt, totgeschlagen oder aus den Luken der Kirchtürme geworfen.

Erst in der Neuzeit setzte der sagenhafte Aufstieg der Katzen ein. In Kirchen- und Klöstern, wie in den Postämtern und Bibliotheken wurden sie gegen die Mäuseplage eingesetzt. Seefahrernationen, wie die Italiener und Engländer, erkannten ihre unersetzliche Bedeutung beim Kampf gegen die Rattenplage auf den Schiffen. Aber schon im 19. Jahrhundert, als sie sich bereits von ihrem ursprünglichen Geschäft des Mäuse- und Rattentötens entfernt hatte, wurde sie zum privilegierten Liebling der Staatsmänner, Dichter und Salondamen.