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Impfungen bei der Katze

Posted by on Oktober 12, 2010  |  No Comments

Katzen können durch Impfung vor Tollwut, Katzenseuche und -schnupfen sowie feliner Leukämie (FeLV) geschützt werden. Die Impfung bewirkt im Körper eine Immunreaktion, die zu einer erhöhten Infektionsabwehr führt. Bei der aktiven Immunisierung werden abgeschwächte oder abgetötete Viren injiziert, die die Bildung von Antikörpern gegen den Krankheitserreger bewirken. Bei der passiven Immunisierung erhält der Impfling eine Antikörperinjektion als Sofortschutz. Eine stabile Immunprophylaxe kann damit aber nicht erreicht werden.

Katzenimpfstoffe gibt es in allen möglichen Variationen, vom Einzelimpfstoff gegen Katzenseuche oder die feline Leukämievirusinfektion (FeLV) bis hin zu den Kombi-Produkten gegen Seuche, Schnupfen, Chlamydien und FeLV. Anders als bei Hundeimpfstoffen liegen manche Katzenimpfstoffe als Lebendimpfstoffe oder als Totimpfstoffe vor. Fast alle Totimpfstoffe enthalten Adjuvantien, also chemische Zusatzstoffe zur Verstärkung der Immunreaktion auf die Impfung, und zwar meistens ein Aluminiumsalz. Weil Adjuvantien als Mitverursacher der Impfsarkome gelten, sollten Katzenhalter adjuvansfreie Lebendimpfstoffe geben lassen. Inzwischen gibt es am deutschen Markt für nahezu alle Katzenimpfstoffe adjuvansfreie Produkte, also Impfstoffe gegen Seuche, Schnupfen und FeLV, die keine Adjuvantien enthalten. Die Ausnahme sind Tollwutimpfstoffe: Alle Haustiertollwutimpfstoffe enthalten ein Aluminiumsalz als Adjuvans und darüber hinaus als Konservierungsmittel Thiomersal, eine hochgiftige Quecksilberverbindung.

Impfzyklen

Die sogenannte Grundimmunisierung sollte auf Anraten der Impfhersteller und der meisten Tierärzte jährlich aufgefrischt werden, damit der Impfschutz erhalten bleibt.
Jedoch sind jährliche Impfungen gegen Katzenseuche, -schnupfen usw. wahrscheinlich wissenschaftlich nicht begründet. Das hat nun auch der Bundesverband Praktizierender Tierärzte zur Kenntnis genommen, der neue „Impfempfehlungen für die Kleintierpraxis“ herausgegeben hat. Gegen Seuche soll demnach alle drei Jahre, gegen Schnupfen alle zwei Jahre nachgeimpft werden.

Katzenseuche

Alle Katzen, auch Wohnungskatzen, sollten gegen Katzenseuche (Panleukopenie, felines Parvovirus = FPV) geimpft sein. Nach der Grundimmunisierung (wiederholte Impfung im Welpenalter) hält der Schutz wahrscheinlich lebenslang. Ausgewachsene Katzen, ob geimpft oder nicht, erkranken nur unter besonders ungünstigen Umständen an Seuche (sehr hohe Erregerdosis und/oder Immunschwäche).

Katzenschnupfenimpfung

Die Haupterreger von Katzenschnupfen sind Herpesviren (felines Herpesvirus, FHV, auch felines Rhinotracheitisvirus genannt) und Caliciviren (felines Calicivirus, FCV). Die Impfstoffe, egal ob Lebend- oder Totimpfstoffe, verleihen keinen Schutz gegen die Infektion, sie können allenfalls die Krankheitssymptome lindern. Auch bei den Schnupfenimpfungen verschwindet der – begrenzte – Schutz nicht schlagartig nach einem Jahr. In Studien wurde gezeigt, daß Impfantikörper noch 7,5 Jahre nach der Grundimmunisierung bestehen können und daß bei Erregerkontakt eine anamnestische Immunantwort eintritt – die Immungedächtniszellen treten in Aktion. Bei Katzen in normaler Privathaltung sind Nachimpfungen verzichtbar. Wichtiger ist es, auf die Hygiene zu achten und die Tiere vor Streß zu bewahren. Schnupfen ist eine typische Streßerkrankung.

Felines Leukämievirus (FeLV, „Leukose“)

Katzen haben eine gute altersabhängige natürliche Immunität gegen die Infektion mit dem felinen Leukämievirus. Die Impfung gegen „Leukose“ kann bei Katzenwelpen oder Jungtieren sinnvoll sein, wenn sie draußen Kontakt mit infizierten Artgenossen haben können. (Leben Katzen, ob jung oder alt, ständig mit FeLV-infizierten Artgenossen eng zusammen, so ist auch durch regelmäßig wiederholte Impfung nicht garantiert, daß sie virusfrei bleiben.) Die Schutzwirkung der verschiedenen Impfstoffe ist sehr unterschiedlich. Neuzugänge in Katzengruppen sollten auf den Erreger getestet sein. FeLV-Impfstoffe mit Adjuvantien verursachen zusammen mit Tollwutimpfstoffen die meisten Impfsarkome. Wenn man gegen FeLV impfen oder nachimpfen lassen möchte, dann sollte man möglichst den adjuvansfreien FeLV-Impfstoff (Purevax) geben lassen.

Feline infektiöse Peritonitis (FIP)

Eine Besonderheit unter den Impfstoffen stellt derjenige gegen die feline infektiöse Peritonitis (FIP) dar. Die Verabreichung erfolgt nicht durch eine Injektion sondern direkt über die Nasenschleimhäute. Jedoch ist diese Impfung sehr umstritten, da erstens die Wirksamkeit stark in Frage steht und zweitens eine Studie der Uni Giessen ergeben hat, dass geimpfte Katzen sogar noch eher erkranken als ungeimpfte.

Tollwut

Deutschland ist 2008 offiziell für tollwutfrei erklärt worden, das heißt, es gibt keine Fuchstollwut mehr. Nur bei Feldermäusen tritt die Krankheit noch auf. Daher bestehen auch keine Tollwutbezirke mehr, auch wenn die gelben Schilder vielerorts noch hängen. Vereinzelt tritt jedoch Fledermaustollwut auf. Katzen sind für diesen Tollwutvirustyp anfällig, sie können an Fledermaustollwut erkranken. (Bisher ist das in Deutschland jedoch noch nie der Fall gewesen; Stand März 2009.) Allerdings ist die Tollwutschutzimpfung für Auslandsreisen von besonderer Bedeutung, da ohne sie oft kein Grenzübertritt möglich ist. Grundsätzlich gilt nämlich, tritt in einer Gegend Tollwut auf, können ungeimpfte Katzen oder Katzen, deren Impfung länger als ein Jahr zurück liegt, von Amts wegen getötet werden, gleichgültig, ob sie infiziert sind oder nicht.
In jedem Fall sollte man denjenigen Tollwutimpfstoffen den Vorzug geben, die bei Katzen für vier Jahre zugelassen sind: Enduracell T und Rabdomun. (Andere Tollwutimpfstoffe für Katzen sind nur für drei oder gar nur für zwei Jahre zugelassen.) Katzen sollten so selten wie möglich gegen Tollwut geimpft werden, weil Tollwutimpfstoffe zu den Hauptverursachern von Impfsarkomen zählen. Eine gesetzliche Pflicht zur Tollwutimpfung besteht übrigens nicht, auch nicht bei Freigängern.

Impfungen mit wenig Nutzen

Chlamydien (Chlamydophila felis) sind Bakterien, die bei Katzen vor allem Augenentzündungen verursachen können. In vielen Seuche-Schnupfen- oder Seuche-Schnupfen-FeLV-Kombinationen ist ein Impfstoff gegen Chlamydien enthalten. Die Schutzwirkung ist notorisch schlecht, zudem bergen die Impfstoffe ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen.
FIP (Feline Infektiöse Peritonitis), die Feline Infektiöse Peritonitis, wird durch relativ harmlose Coronaviren verursacht, wenn sie im einzelnen infizierten Tier mutieren. Viele Katzen infizieren sich im frühen Lebensalter mit Coronaviren, ohne daß sie jemals an FIP erkranken. Eine Impfung gegen FIP ist nicht empfehlenswert, da die Wirksamkeit nicht zweifelsfrei nachgewiesen ist.

Nebenwirkungen von Impfungen

Wie häufig Impfnebenwirkungen bei deutschen Katzen sind, ist unbekannt, da es keine verlässlichen Zahlen gibt.

Katzen können durch Impfungen an Krebs erkranken, und zwar am vakzine-assoziierten Fibrosarkom, auch Impfsarkom genannt. Das ist eine bösartige Geschwulst, die ein paar Wochen oder Monate nach einer Impfung an der Injektionsstelle – meist zwischen den Schulterblättern oder an der seitlichen Brustwand – als Knubbel (Granulom) unter dem Fell auftritt und sehr breit wuchern kann. In der US-Veterinärmedizin wird der Zusammenhang von Impfung und Sarkomentstehung bei Katzen nicht mehr ernsthaft bezweifelt. In Deutschland neigt man meist dazu, das Thema herunterzuspielen. Doch kürzlich bezifferte der Kleintieronkologe Dr. Martin Kessler auf einem Tierärztekongreß in Berlin die Risikowahrscheinlichkeit hierzulande mit 1 zu 1000. Die meisten Sarkomkatzen sind zum Zeitpunkt der Erkrankung zwischen sechs und elf Jahre alt, haben somit schon viele Shots erhalten. Es trifft allerdings auch jüngere Katzen. Behandelt werden kann das Impfsarkom bisher nur durch radikale Operation weit ins gesunde Gewebe hinein. Nach der Operation treten fast immer Rezidive auf, also neues Tumorwachstum. Die Geschwulst führt in den allermeisten Fällen zum Tode. Heilung kann daher nur die frühzeitige chirurgische Entfernung des Tumors bringen. Daher sollten Tierhalter vorsichtig sein, wenn sich an einer Impfstelle ein Knoten unter dem Fell bildet. Längst nicht jeder Knoten ist ein Impfsarkom – oft sind es nur Impfgranulome, die sich von selbst wieder zurückbilden. Verschwindet der Knoten jedoch nicht binnen drei Monaten oder wächst er immer weiter, sollte das Tier gründlich untersucht werden. Die beste Vorsorge gegen Impfsarkome besteht darin, Katzen nicht häufiger als unbedingt nötig impfen zu lassen. Bei Seuche und Schnupfen sollten Lebendimpfstoffe verwendet werden, bei FeLV der adjuvansfreie Impfstoff Purevax.

Eine weitere typische Nebenwirkung von Impfungen sind allergische Reaktionen. Die schlimmste Form einer Impf-Allergie ist der anaphylaktische Schock mit Kreislaufzusammenbruch, der unmittelbar nach der Impfung eintritt. Hier muß sofort behandelt werden mit Antischockmedikamenten usw. Nicht so dramatisch, aber ebenfalls hochgefährlich sind allergische Reaktionen, die sich als Durchfall und Erbrechen (manchmal auch blutig) äußern. Auch Atemnot kann auftreten. Diese Reaktionen können unmittelbar nach einer Impfung oder erst nach Stunden oder sogar erst nach mehreren Tagen einsetzen. Bei älteren Katzen können sie den Tod zur Folge haben. Behandelt werden allergische Impfnebenwirkungen durch Medikamente zur Immundämpfung (Kortison, Antihistaminika).

Auch Bewegungsstörungen und andere Störungen des Nervensystems, die sich auch als Wesensveränderungen äußern können, können bei Katzen nach Impfungen auftreten, vor allem nach Tollwutimpfungen. Schulmedizinisch behandelbar sind diese Störungen nicht, doch in der Regel lassen die Symptome von selbst wieder nach. Manche Katzen, besonders Jungtiere, haben nach Verabreichung von Calici-Lebendimpfstoffen Schmerzen in den Gelenken und humpeln eine Weile. (Das Lebendimpfvirus kann die Gelenke schädigen.) Das legt sich ebenfalls nach einiger Zeit von selbst.